Der Kunsthandel | Arte Luise Hotel Berlin

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„Räume wie Träume" steht auf dem Kunstprospekt mit Hotelbeschreibung und ein vorbeirasender ICE kennzeichnet Zusammenhänge: Reisen und Übernachten, Ankommen und Nicht-bleiben-Können, aber vielleicht Wiederkommen. Dafür steht das Künstlerheim Luise mit seinen 30 Kunststuben.
Direkt hinter dem Reichstag an der Spree, an der größten Berliner Baustelle in Blickrichtung Bundeskanzleramt und Humboldt-Hafen, liegt in der Luisenstraße ein Designer-Hotel, von dem der Senior der Hotellerie Conrad Hilton hätte sagen können: „Der Gast möge im Hotel finden, wovon er zu Hause träumt." Doch wer weiß noch, wovon er geträumt hat, wenn das Tagesgeschäft erbarmungslos die letzten Nerven fordert? Hier jedoch, an diesen Ort, in diesem Hotel, wird er sich erinnern: an 30 Zimmer = 30 Kunstwerke.Schon die Lobby der „Luise" - in Fünf-Sterne-Hotels so etwas wie die nobel eingerichtete gute Stube - erfüllt ganz praktische Funktionen. Hier sind Empfangs- und Aufenthaltsqualität in einer Mischung aus Gast-Sein und „do-it-yourself" erlebbar. Der Kunstshop neben der Hotelrezeption bietet Werkkataloge der Künstler, die die Räume gestaltet haben, sowie Stadt- und Kunstführer über Berlin zum Kauf an. Und als Entrée zu einem Kunst-Raum-Hotel hält sie eine besondere Überraschung bereit: Eine große Pferdeschnauze empfängt den aufmerksamen Gast - die Großskulptur des Kölner Künstlers Hans van Meeuwen. Sie erweicht nicht nur das Herz derer, die öfter eine warme, neugierige Pferdeschnauze berührt haben. Sie ist so gewaltig groß, dass jeder Gast meinen könnte, nunmehr im Reich der Riesen angekommen zu sein. Wer wollte dies nicht als Kind geträumt haben?Auch wenn ein einzelner Gast die 30 Zimmer = 30 Kunstwerke nicht alle gleichzeitig beanspruchen kann, hat er doch die Chance beim nächsten Mal ein anderes „Kunstwerk" auszuprobieren und seinen Träumen versuchsweise eine weitere neue Heimstatt in fremder Geborgenheit zu geben. Die Seele will baumeln, die Fantasie will taumeln -   könnte man meinen. Dem hat bei der Gestaltung des Hauses der Berliner Philosoph Wieland Schmid mit Worten den Weg gewiesen: Im Treppenaufgang formuliert er: „Fantastisch ist der Garten der Lüste und die Fülle des leeren Raumes." Als ob der Hotelgast, wenn er hier sein müdes Haupt auf weiche Kissen sanft betten will, auf einen leeren Raum aus wäre. Nein, im Gegenteil - es muss geträumt werden, zunächst mit offenen Augen. Und der Garten der Lüste rückt in weite Ferne. Die Worte führen den Gast nach oben, über eine rustikal gebaute Holztreppe steigt er auf in den Olymp der Nacht. All das Unfassbare, Skurrile und Fantastische des Träumens oder auch Alb-Träumens wird in dieser Kunst-Herberge mit ihren bewohnbaren dreidimensionalen Bildern „provoziert".Sehr ästhetisch und konsequent zurückhaltend möbliert erweisen sich die Räume. Im Obergeschoss empfangen komfortable, teilweise herrschaftliche Einzel- und Doppelzimmer sowie eine Suite die Gäste mit modernstem Komfort. Dort findet sich auch das Zimmer 308, „Liusiol - Bevor ich verschwinde". Seinen „Namen" verdankt es der Wirkung einer Lichtinstallation von Stefan Brée: Der Gast erlebt hier seinen Schatten an der Wand, er sieht sein „Ich", bevor es verschwindet.Wer es eine Etage tiefer will, entgeht nicht der „Wartehalle Deutschland" - eine der mit besonderem Sinn für Historisches und viel gutem Geschmack eingerichteten Küchen. 

 

Auf jeder Etage gibt es einen solchen Raum, wo die Gäste Kaffee kochen und miteinander plaudern können. Und beim Verlassen des Hauses schwingt mit der Energie des Gastes das „ewige" Pendel im Treppenhaus. Wie zum Abschiedsgruß wird seine Bewegung auf einen vergrößernden Bildschirm in der Hotellobby übertragen und scheint mit seinem Rhythmus die Beständigkeit der Kunst gegenüber ihren wechselnden Gästen zu verkünden. „Komm oder geh, komm oder geh..." 

Das Künstlerheim „Luise" in der Luisenstraße 19 in 10117 Berlin-Mitte wurde bisher von folgenden Künstlern gestaltet: Elvira Bach (Berlin), Thomas Baumgärtel (Köln), Stephan Jung (Berlin), Dieter Finke (Berlin, New York), Wolfgang Petrick (Berlin, NewYork), Dieter Mammel (Berlin), Oliver Jordan (Köln. Port Blanc, Bretagne), Peter Mönnig (Köln), Rainer Gross (Köln, New York), Helmut Löhr & Sidney R. Davis (Düsseldorf, Rowe/New Mexico), Elisabeth Hautmann (Berlin), Jo Oberhäuser (Köln), Martin Glomm (Frankfurt/Main). Ulrike Arnold (Flagstaff/Arizona, Wuppertal), Angela Dwyer (Berlin), Sabine Groß (München), Kehl (Berlin), Odin/art-ambulance (Berlin), Stefan Brée (Berlin), Wiking Bohns (Berlin), Rene Wirths & Wolfram Weil (Berlin), Nina Fasoulidou (Berlin), Silke Volimers (Leipzig), Peter Buechler (Berlin), Tine Benz (Berlin), Brigitte Schröck (Berlin), Eva Maike Bruhn (Berlin), Susanne Frost (Berlin), Eva Castringius (Berlin), j. j. anniroc (Berlin), Sabine Hartung (Offenbach), Jessika Miekeley (Berlin).    In zweijährigem Rhythmus gibt es neue Ideen. Die Preise für eine Übernachtung sind angemessen: Ein Einzelzimmer mit Dusche/WC gibt es ab 150 DM, die Suite mit Wannenbad ab 265 DM. Auskunft unter Telefon 030/2 84 48-0, Fax 030/2 84 48-448, Internet: www.kuenstlerheim-luise.de . Das Buch zum Künstlerheim Luise aus dem Weidle Verlag Bonn/Berlin kostet 32 DM (ISBN 3-931135-54-3). 

Texte zu den Bildern: 
Direkt hinter dem Reichstag liegt das Hotel Künstlerheim Luise, das Reisen und Träumen zu einem künstlerischen Konzept vereint 
Die „Königssuite" gestaltete Thomas Baumgärtel mit „Bundesbananenadler" und „Königssuitekrone" auf goldenem Himmeldoppelbett
Zur nächtlichen „Safari" lädt der Berliner i Künstler Dieter Finke ein


April 2001; DER KUNSTHANDEL; Rubrik: Journal, Bewohnbare Bilder, Seite 42/43; von Anne Wagner-Junker; 93. Jahrgang