Oliver Jordan (Köln)

Licht und Schatten

1984 begeben sich der Kunststudent Oliver Jordan und seine französische Frau Helena auf eine Hochzeits- und Studienreise durch Algerien. Die Reise führt sie über Oran, Algier, Tlemcen für mehrere Wochen auch nach Tipasa. 1936 schreibt Albert Camus: "Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher, durch den Silberkürass des Meeres, den grellblauen Himmel, die blumenübersäten Ruinen und die Lichtfülle des Steingetrümmers." Fern von aller großstädtischen Betriebsamkeit, inmitten römischer Ruinen aus der Zeit um Christus, euphorisch und geblendet von der Helligkeit des gleißenden Lichtes erlebten Camus 1936 und auch Helena und Oliver Jordan 1984 in der Hitze des Mittags das Einswerden mit der Natur, die Kraft und Intensität des Lichtes und den Schutz des Schattens. Diese Naturerlebnisse im Alter von 23 Jahren veranlassten Albert Camus unter der großen Überschrift "Licht und Schatten" die Heilsgeschichtsdoktrin und Fortschrittsgläubigkeit des historischen Materialismus zu kritisieren und nach einem Ausgleich von Natur und Geschichte zu suchen. In der Haltung von Camus steht Licht und Schatten für die großen Gegensätze, Tag und Nacht, Land und Stadt, Mann und Frau, Gut und Böse, die es auszugleichen gilt. Auch Jordan Malerei ist diesem Ausgleich gewidmet. Aber erst 20 Jahre später, bereits als Künstler etabliert, greift er auf die in Tipasa entstandenen zahlreichen Skizzen und Aquarelle zurück. Unter dem Titel "Heimkehr nach Tipasa für Albert Camus, die Sonne und die Schönheit" entstehen großformatige Ölbilder auf Leinwand und Pappe, die im gleichen Jahre in der Essener Galerie von Ricarda Fox ausgestellt werden. 2010 schließt sich der Kreis. Catherine Camus, die Tochter von Albert Camus, nimmt Kontakt mit dem Künstler auf und lädt das Ehepaar nach Lourmarin in der Provence, in das Haus ein, das sich Albert Camus von dem Geld seines Nobelpreises 1957 gekauft hat. Catherine Camus ist von der Malerei tief berührt. Sie sieht in der Malerei Jordans die Kraft und lebensbejahende Vitalität des Werkes ihres Vaters gespiegelt. Vor diesem Hintergrund entsteht die Idee aus Anlass des 100jährigen Geburtstages von A.C. ein Einzelausstellungsprojekt im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Marseille/Provence 2013 zu organisieren. Die Ausstellung wird auf Vermittlung von Catherine Camus in Zusammenarbeit mit dem Direktor der Theater in Marseille und Aix-en-Provence am 28 September 2013 im großen Foyer des Grand Théâtre de Provence eröffnet und zwei Monate dort verweilen und dann als Wanderausstellung mit verschiedenen Museumsstationen weitergeführt. Die Inhalte der Ausstellungen werden Portraits von Albert Camus, das Licht und die Philosophie des Mittelmeeres sein. In Form eines work in progress wird in dem Zimmer 510 bis zur Ausstellungseröffnung am 28.09.2013 das Thema Licht und Schatten und der Mensch Albert Camus Inhalt der Gestaltung sein. Entstehen wird ein Zimmer, das geprägt sein wird von der mediterranen Stille und der Licht durchfluteten Atmosphäre des Mittelmeeres auf der einen Seite und von urbanen dunklen romantischen Pariser Stadtansichten auf der anderen Seite. Aus Tipasa, der Ruinenstadt am Meer und aus Paris, der Stadt an der Seine, der Stätte der Aufklärung und Revolution, aus beiden Kulturbereichen hat Camus seine schriftstellerische Energie bezogen.Paris war für Berlin immer eine wichtige Inspirationsquelle. Und so macht es Sinn das Zimmer 510 Albert Camus zu widmen, dessen Überreste auf Vorschlag des französischen Präsidenten 2012 in das Pantheon überführt werden sollten. Paris machte Albert Camus berühmt, in Tipasa wurde er neu geboren. 2013 wäre er 100 Jahre alt geworden.