Ottmar Hörl (Wertheim)

Bildstörung

 

Ottmar Hörl, Professor und Präsident an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, nimmt eine der markantesten Positionen in der deutschen Kunstszene ein. Bekannt wurde der Konzept- und Aktionskünstler vor allem durch seine spektakulären Großinstallationen im öffentlichen Raum. Hierfür erstellt der Künstler Werkkonzepte, die sich mit der Kunstgeschichte, der Idee von Skulptur und Malerei, dem Prinzip des Seriellen und mit dem Spannungsfeld von Natur und Kunst auseinandersetzen. Das funktioniert natürlich nicht in einem Hotelzimmer, man darf daher gespannt sein.

Gleich beim Betreten des Zimmers wird der kunstsinnige Gast von der Erkenntnis abgelenkt, dass etwas nicht stimmt. Gediegenes Jugendstil- Ambiente mit Bildern von Caspar David Friedrich, Jan van Eyck, Ingres, Rubens, Regnault und anderen?

Im Schlafzimmer räkeln sich über zwanzig Akte im "Türkischen Bad" von Jean-Auguste-Dominique Ingres - von Ottmar Hörl mit Badeanzügen bekleidet. Mit diesem, 1859 für den Prinzen Jérôme Napoleon quadratisch geschaffenen und bis 1863 zum Tondo (Rundbild) umgearbeiteten Haremsmotiv, hatte Ingres sein Akt-Œuvre mit Selbstzitaten aus 50 Jahren umrissen.

In einem modernen Kunsthotel; in dem Zimmer von Ottmar Hörl? Bei genauer Untersuchung stellt sich jedoch heraus, dass es sich um Reproduktionen von Reproduktionen handelt, verfremdet durch Accessoires und Unterschlagung.

Berlin rühmt sich seiner einzigartigen Museumslandschaft, viele Touristen besuchen die Stadt nicht zuletzt ihretwegen. Aber wie oft beobachtet man in vielgerühmten Ausstellungen Menschen, die mit dem Rücken zum Kunstwerk den Ausführungen ihres Audio-Guides lauschen, ohne das Kunstwerk auch nur eines Blickes zu würdigen? Hier sagt uns Hörl mit einem Augenzwinkern: "Was soll's? Ihr merkt den Unterschied zwischen Original und Fälschung ja doch nicht!" Beim "Kreidefelsen auf Rügen " von Caspar David Friedrich erkennt der Fachmann noch leise triumphierend, dass die Ausflugsgesellschaft verschwunden ist, aber bei "Die Madonna des Kanzlers Rollin" von Jan van Eyck steht sogar der Kenner auf dem Schlauch und fragt sich: "Was stimmt hier nicht?"

Die Bildinstallation in seiner Suite soll den Gast auf eine amüsante Entdeckungsreise mitnehmen und vielleicht den Blick für den nächsten Gang ins Museum etwas schärfen. Und wenn nicht; was soll's. Gemütlich ist es hier allemal.