The „Sound of Luise“ 

Berlin ist eine laute, lebendige Stadt. Dieses beklagte bereits Kurt Tucholsky vor fast 100 Jahren. Radau, wie der Berliner früher sagte, ist auch heute aus Berlins Zentrum nicht wegzudenken. 

Diese Geräuschkulisse kann euphorisierend sein oder anderweitige, positive Gefühle hervorrufen - aber auch als störender Lärm empfunden werden. Dieses entscheidet sich im Bewusstsein des Zuhörers. Bereits der Philosoph Seneca kam im lärmenden Rom vor ca. 2000 Jahren zu dieser Erkenntnis. Das eigentliche Problem sei nicht das Geräusch, sondern die Unruhe der Seele, schrieb er. Erhabenheit über den Lärm ist für ihn ein Zeichen von Größe. 

Und Adalbert Stifter fand vor ca. 150 Jahren in seinem Essay mit dem Titel „Häusermeer“, eine Metapher, die dankbar aufgegriffen wurde. Denn nur das Meer erzeugt in der Natur ein Geräusch, das mit dem unaufhörlichen Rauschen und Brummen der Großstädte vergleichbar ist. Manche sprechen romantisierend von der „Brandung“ der Großstadt, andere fühlen sich von der „Flut“ der Geräusche „überschwemmt“. Und da wären wir wieder bei Seneca; bei der individuellen Wahrnehmung des Einzelnen.    

Und die Luise liegt da quasi wie ein „Beach-House“ mittendrin. Und sie ist keine inszenierte Parallelwelt aus Stahl und Glas, mit dicken Teppichen und getönter Verglasung. Sie wurde 1995 als Künstlerprojekt, als „Künstlerheim Luise“, in einem historischen Stadtpalais aus dem Jahre 1825 gegründet und hat sich seither zu einem Hotel entwickelt. Direkt an den Hochbahnviadukten, wo die Berliner S-Bahn den Westen Berlins mit dem Osten verbindet. 

Es wurde in den letzten Jahren viel unternommen, um die Beeinträchtigungen daraus so gering wie möglich zu halten. So schirmt ein Neubau den Innenhof vom Bahnlärm ab und nicht öffenbare Schallschutzfenster schützen wirkungsvoll die Zimmer zur Bahnseite. 

Wirft man jedoch einen Blick in die Bewertungsportale des Internets, könnte der Eindruck entstehen, der Bahnlärm sei ein allgemeines Problem in der Luise. Dabei reichen die Bewertungen zurück bis in das Jahr 2006 und nur 0,18 % unserer Gäste haben seither dort Bahngeräusche thematisiert. Und wir haben in den letzten Jahren noch einiges unternommen, um den Ansprüchen unserer Gäste noch besser gerecht zu werden.

Es gibt jedoch trotz aller Bemühungen noch vielleicht 3 Zimmer (von insgesamt 50 Zimmern), in denen die „Brandung“ der Großstadt den Gast in den Schlaf wiegt. Und hier kann der geräuschempfindliche Gast von den Ohrstöpseln gebrauch machen, die vorsorglich in den Zimmern bereit liegen. 

Damit sich auch zukünftige Gäste darüber einen Eindruck verschaffen können, habe wir diesen Soundcheck aufgenommen. Sie haben hier die Möglichkeit an 11 Punkten im Hause den „Sound of Luise“ zu hören. Von der Lobby über das Treppenhaus des Altbaus bis in eine repräsentative Auswahl der Zimmer, wo wir extra auch die Zimmer mit ausgewählt haben, die von einigen Gästen als laut empfunden wurden (204, 205 und 304). Aufgenommen wurde unverfälscht und bei Maximalgeräusch (soweit vorhanden). Anschließend hören Sie ein Korrespondenzgeräusch (TV, Musik o.ä.) zum Vergleich.

Soundcheck Luise –  Nur im Weltall ist es wirklich still *

 

* In dem gleichnamigen Sachbuch erforscht die Journalistin und Autorin Sieglinde Geisel das ambivalente Verhältnis der Menschen zu den Geräuschen ihrer Umwelt. Unbedingt lesenswert! Erschienen im Galiani Verlag, Berlin.&nb