Rudi Kargus (Hamburg)

"Alles wird gut"

Er habe damals sehr in der Öffentlichkeit und unter Beobachtung gestanden, erinnert sich Rudi Kargus. "Das war nicht immer die reine Freude. Er steht skeptisch vor der heutigen Medienwelt, ihm gefallen vorschnelle Überhöhung und öffentliche Verdammung nicht. "Es gibt eine Entwicklung zur Flachheit und zum Banalen in den Medien". Seine Biographie fundiert diese Aussage, denn Rudi Kargus war bis 1990 einer der erfolgreichsten Bundesliga-Torwarte, als "Elfmetertöter" bis heute ungeschlagen. Und immer im Fokus der Öffentlichkeit.

Nähert man sich heute der Malerei von Rudi Kargus, nähert man sich immer auch dem Menschen Kargus und seinem Werdegang. Gewollt ist dieses von seiner Seite aber eher nicht.

Die Kunst soll für sich selbst sprechen, ohne große Erklärungen, ohne große Worte. Sie soll hinterfragen, Dinge aufzeigen und nachhaltig berühren in einer immer schneller werdenden, von den Medien beherrschten Welt. Medien, die Ereignisse nur genau so lange benutzen, bis das nächste am Horizont erscheint. Dann wird das alte Thema vergessen, egal wie dringlich es wäre weiterhin darüber zu berichten, tiefer zu gehen und es nachhaltig zu beleuchten. In seinen Bildern bleiben, wenn auch oft verschlüsselt, die Informationen bestehen. Sie bleiben sichtbar und sollen den Betrachter nachhaltig beschäftigen; mit dem was in der realen Welt passiert, bestenfalls aber auch mit sich selbst.

Nur konsequent erscheint es da, das der Künstler viele seiner Inspirationen aus Zeitungsbildern zieht (s. Installation auf der Schrankwand im Zimmer). Diese Vorlagen werden zu neuen Bildern collagiert und dann malerisch umgesetzt. Er arbeitet sowohl abstrakt als auch figürlich. Immer aber expressiv, oft wild und mit einem Wechselspiel aus kontrollierter und unkontrollierter Malerei versehen.

Er hat kein Interesse an bloßer Abbildung, sondern er malt gegen den Zustand der Welt. Da ist nichts freundlich oder dekorativ, da zeigt sich, gleich ob in eher abstrahierenden Landschaften oder in aufgebrochenen Räumen unter Schutzanzug und Vermummung, die große Maskerade einer höchst ambivalenten Welt.

Diese Bilder und das darauf vom Künstler abgestimmte atelierhafte Raumkonzept sollen anregen und dazu inspirieren, die Deutungshoheit bei diesen geheimnisvollen Bild-Erzählungen zu nutzen.